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Blog Age - das Blog von Peter Schink

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Mein Internet macht nicht dumm

Ich fand Nicolas Carr ja immer schon ein wenig merkwürdig. In einem Interview, dass er jetzt der BBC gegeben hat, wirft er eine interessante Frage auf. Und beantwortet sie falsch.

Nicolas Carr hat ja schon wirklich interessante Dinge zur Zukunft gesagt. Jetzt aber behauptet er, das Internet lasse uns verdummen - weil Informationen immer schneller zur Verfügung stünden. Als Beispiel nennt er Navigationsgeräte, mit deren Hilfe man ans Ziel kommt, ohne den Weg suchen zu müssen.

Ich persönlich finde ja, Internet verhilft genau zum Gegenteil. Durch die vielen Informationen, die mir heute zur Verfügung stehen und mich täglich erreichen, kann ich aus einer Flut von geistigen Anregungen wählen. Erkenntnisgewinn, Kreativität, Reflexion wird dadurch gefördert, nicht vermindert. Diese Flut hat auch ihre Nachteile: Wir müssen erst lernen, damit umzugehen.

Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Über Twitter erreichen mich täglich so ein- bis zweitausend Tweets. Darunter eine Fülle von Dingen, die für mich sehr wertvoll sind. Sie regen zum Nachdenken an, zum Austausch mit anderen Menschen, aber auch zum Schmunzeln und Lachen.

Trotzdem musste ich lernen, dass ich die Flut nur noch selektiv wahrnehmen kann. Mal tauche ich in den Fluss ein, dann lasse ich Twitter wieder links liegen.

Genauso verfahre ich mit anderen Dingen des Internets. Ich nutze Wikipedia, wenn ich es brauche. Ich surfe auf Youtube, wenn ich gerade Spaß daran habe. Und ich benutze in der Regel Navigationsgeräte nur, wenn ich sonst eine Landkarte benutzen müsste.

Die selektive Nutzung will erlernt sein. Doch Pauschalurteile wie das von Carr helfen dabei nicht. Sie verkaufen höchstens sein neues Buch.

Kommentare (2)

on&off
(Björn Sievers, 24.09.2010, 14:28 Uhr #)
Und nicht vergessen: hin wieder alles abschalten. Dann komm auch gut klar.

Was Herrn Carr angeht: Auch die Geschwindigkeit der Adler wurde 1835 als zu schnell für den Menschen kritisiert. Und die furh im Regelbetrieb 28 km/h.

fast vergessen
(Peter Schink, 24.09.2010, 19:43 Uhr #)
Und dann war da noch die Geschichte des Patentamtsbeamten, der nach der Erfindung der Glühbirne sagte, jetzt sei eigentlich alles Wesentliche erfunden :)