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Blog Age - das Blog von Peter Schink

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Das Ende des Journalismus?

Eine fulminante Überschrift. Unter selbiger fand gestern eine Podiumsdiskussion in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz statt. Am Ende fanden die versammelten Journalisten doch die eine oder andere Antwort. Was das mit Web 2.0 zu tun hat? Irgendwie alles.

Die Onlinemedien seien große Konkurrenz für die Printmedien, sagt Moderator Thomas Leif. Nein, widerspricht Wolfgang Blau. Und Hans-Jürgen Jakobs ergänzt: Die Zielgruppen würden sich kaum überschneiden. Das kann also das Problem nicht sein.

Wie also dann? Ach ja, die Rubrikenmärkte, also Stellenanzeigen, Partnerschaftsanzeigen und Immobilienanzeigen seien aus der Zeitung ins Internet gewandert, so Blau. Dort gebe es zudem soviel Werbefläche, dass die Preise viel niedriger seien als in der gedruckten Zeitung. Das wäre dann Problem Nummer eins: Das Medien-Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr wie gewohnt.

"Die Zeitung ist ein Medienkonzept, das aus dem Industriezeitalter stammt", sagt Blau. Die Printausgabe der Zeitung müsse eben viele verschiedene Menschen bedienen, und das zu einem vorgegebenen Zeitpunkt am Tag. Das werde dem Informationsbedürfnis der Menschen nicht mehr gerecht. Das sei ein Grund warum die Auflagen sinken. Da ist ein Teil von Problem Nummer zwei: Die Zeitung wird von vielen Menschen nicht mehr geschätzt.

Und was hat das alles jetzt mit Web 2.0 zu tun? Kann man nach dieser Diskussion nicht sagen, darüber wurde nicht geredet. Und das, obwohl junge Menschen inzwischen ganz anders kommunizieren und sich informieren. Obwohl die viel lieber YouTube-Videos gucken statt Analysen im Print zu lesen. Obwohl ihr Konsumverhalten ein wesentlicher Teil des Problems ist.

Warum aber nutzen die Menschen denn die klassischen Medien und insbesondere die Zeitungen weniger als früher? Vielleicht weil es gar nicht mehr wichtig ist, zu wissen, was dort erzählt wird. Weil die spannenden Geschichten oft woanders zu finden sind. Weil persönliche Kommunikation wichtiger geworden ist als Top-Down-Kommunikation über Medien. Weil ein Rückzug ins Private stattfindet. Weil sowohl das Web fragmentierter wird wie auch die Gesellschaft als Ganzes.

Auf diese Herausforderungen müssen wir Antworten finden. Vom Web 2.0, von Twitter, Youtube und Facebook können wir Medienmacher dabei viel lernen. Nicht nur viel. Eigentlich alles.

Kommentare (5)

Danke!
(ben_, 24.06.2009, 11:05 Uhr #)
"Weil ein Rückzug ins Private stattfindet." … das freut mich sehr, sowas auch mal von jemand anderem aus der Industrie zu hören. Parallel zum Medienwandel findet nämlich imho der "Abschied vom Nationalstaat" statt, wie es Martin Albrow in seinem gleichnamigen Buch geschrieben hat. Und das Internet – das hat er '98 noch nicht so intensiv auf dem Zaun gehabt – beschleunigt diese Entwicklung nur.

absolut
(Peter Schink, 24.06.2009, 12:20 Uhr #)

Ja, der Medienwandel ist damit Teil des Kulturwandels. Der Staat, die Gesellschaft, die Medien werden für den Einzelnen immer unwichtiger. Aber lässt sich diese Tendenz denn eigentlich ändern?

Will man das?
(ben_, 24.06.2009, 12:59 Uhr #)
Huch, jetzt ist mein Kommentar verschwunden. Vielleicht ist rechnen nach dem Mittagessen nicht meine Stärke. Daher einfach nochmal. Albrow und Ulrich Beck – in dessen Serie Albrows Buch erschien – begrüßen diese Tendenz ja mit offenen Armen und ich bin gewillt ihnen da zu folgen. Albrow zeigt sehr schön, dass die nationale Gesellschaft und der Staat sich im 20 Jh. viel viel weiter in die Lebenswelt der Menschen vorgedrungen sind, als je zuvor, weiter als es gut war … und die aktuelle Entwicklung nur ein "normales" Zurückschwingen ist.

Das Spannende daran ist aber, dass das Internet ja zugleich privat und öffentlich ist – so wie dieses Blog hier. Unsere Konversation hier ähnelt ja eher einem Kaffeehaus-Gespräch als einem Leitartikel / Leserbrief. Wenn ich raten sollte, würde ich sagen, dass sich die beiden Konzepte "Öffentlichkeit" und "Gesellschaft" gerade zusammen mit so Konzepten wie "Text" und "Medium" kontinentaldriftgleich verändern. Ein Zurück nach Pangäa wird es nicht geben. Aber einen Bedarf für Journalismus und Publizistik wird es weiter geben.

Viele Branchen lernen einfach nicht
(Kim, 24.06.2009, 13:22 Uhr #)
Moin Peter,

ich finde es ja schon fast erbärmlich, wie die etablierten Branchen reihenweise das Internet bzw. den Fortschritt im Bereich der Computer-/mobilen Technik verpennen. Die Musikindustrie ist wohl das größte Beispiel. Die Zeitungen sollten den Trend eigentlich so langsam mal erkennen und selbst politische Parteien erreichen das junge Volk nicht mehr. Da gibt so viele Parallelen bei den Problemen der "Alteingesessenen".

Volksparteien-Wähler sind zu einem großen Teil Traditionswähler => nimmt ab, meiner Meinung nach.

Kennst Du besonders viele Leute in unserem Alter oder noch jünger, die ein Zeitungsabo haben? Bei mir kommt nur alle zwei Wochen die c't ins Haus, allgemeine News hole ich mir aus dem Netz. Viele junge Leute interessieren sich leider überhaupt nicht mehr für sowas.

Und zuguterletzt kommt jetzt die Buchindustrie, die uns überteuerte Reader-Geräte andrehen will und auf DRM setzt - die Fehler der Musikindustrie werden total naiv wiederholt. Zwar mache ich mir bei der Buchindustrie am wenigsten Sorgen, weil ich glaube, dass die Leseratten dieser Welt gern ein "klassisches Buch" in der Hand halten.

Insgesamt gibt es meiner Meinung nach erst ein Ende des Journalismus, sobald sich kein Schwein mehr für das interessiert, was z. B. jetzt im iran passiert. Solange News irgendwo gefragt sind, ist es doch nur eine Frage, WIE es an den Mann gebracht wird. Die Journalisten wird es weiterhin geben.

Grüße,
Kim

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(Peter Schink, 24.06.2009, 14:30 Uhr #)
@Kim: Tatsächlich glaube ich auch, die Leute interessiert schon z.B., was im Iran derzeit passiert. Allerdings werden "persönliche" Informationen wichtiger, die Weltpolitik gerät eher in den Hintergrund - solange es nicht eine emotionale Wirkung auf uns hat (diese "Emotionalisierung" findet ja gerade beim Thema Iran statt). Diese Emotionalisierung findet teilweise auch in den Medien statt - aber eben nur sehr bedingt und mittelbar.

Was die technische Schnarchnasigkeit von Politik, Medien und Industrie angeht kann ich natürlich nur voll zustimmen :)