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Sechs Thesen zum Erfolg von Google Wave

Gestern hat Google die Revolution von eMail und Chat angekündigt. 'Wave' heißt die Software, die beide Techniken ablösen können soll. Was das erstaunliche ist: Man traut Google diese Revolution tatsächlich zu. Das Netz ist voll von Lobpreisungen, noch vor dem Start. Doch dafür müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Im folgenden sechs Thesen zum Erfolg von Wave.

Google Wave
Google Wave

Google Wave soll eMail und Chat ablösen. Tatsächlich könnte Wave einen Innovationsschub für die Online-Kommunikation bedeuten. Jens und Lars Rasmussen haben dabei scheinbar alles richtig gemacht, wenn man sich die Ankündigung von Google und die Rezension auf Techcrunch durchliest: Mit Wave lässt sich chatten, mailen und 'natürlich' auch Multimediadateien darstellen. Die Software erlaubt sowohl synchrone Kommunikation (schon beim Eintippen kann der Gegenüber sehen, was ich sage) wie auch asynchrone Kommunikation zwischen zwei oder mehr Menschen (allerdings sofort zugestellt).

Trotzdem bleibe ich erst mal skeptisch und behaupte, eine Reihe von Voraussetzungen muss Wave erfüllen, um erfolgreich zu sein:

1. Die Software darf die Nutzer nicht überfordern. Die Bedienung muss einigermaßen intuitiv, zudem stabil und sowohl offline wie online möglich sein. Die bislang verfügbaren Screenshots zeigen, dass Wave durchaus einfach zu verstehen sein könnte – weil sie einem eMail-Client nachempfunden ist. Allerdings sieht das Ganze auf den ersten Blick doch recht komplex aus.

2. Die Software muss sich an Nutzerbedürfnisse anpassen. Heißt: Wer nicht will, dass das Eingetippte sofort beim Gegenüber landet, muss die Funktion ausschalten können. Wer sich persönlich unterhalten will, muss das genauso tun können wie Gruppenchats mit mehr als 100 Teilnehmern. Wenn ich in einem Gruppenchat einer Person persönlich antworten will, muss das möglich sein. Das alles ist offenbar nicht nur möglich sondern eine der Grundideen von Wave.

3. Es darf keinen Medienbruch geben. Alte eMails und Chats sowie Kontakte müssen importiert werden können. Zudem muss die Kommunikation zwischen Wave und einfachen eMail- und Chat-Clients möglich sein. Sonst ergibt sich das Henne&Ei-Problem: Weil zu wenig Leute die Software nutzen, setzt sie sich nur schleppend durch. Laut Ankündigung ist zumindest die Anbindung von Mailcients möglich.

4. Wave darf keine Software sondern im besten Fall ein Technikkonzept bzw. ein Protokoll sein – wie eMail. Die Daten dürfen nicht an einen zentralen Provider gebunden sein. Laut Google lässt sich Wave tatsächlich auf jedem beliebigen Server installieren, ist zudem Open Source und verfügt über eine API (siehe waveprotocol.org).

5. Die Software muss offen sein – und die Integration von Open Social, Data Portability genauso wie Facebook Connect ermöglichen. Sie muss für Entwickler leicht verständlich sein.

6. Die Software muss komplexe Aufgaben bewältigen. Sie muss zum Beispiel die Integration von Geokoordinaten beherrschen, das Verwalten von Videos, aber auch die Verarbeitung großer Datenmengen (z.B. den Import meines derzeit 1,5 Gigabyte großen GMail-Kontos).

Fazit: Googles Ansatz reizt, weil viele Menschen die derzeit komplexe Kommunikationsstruktur von eMail, Chat, RSS-Readern, Facebook-Inboxen und Twitter-Streams satt hat. Vereinfacht Google die Kommunikation, hat Wave schon gewonnen. Zugleich ist es schwierig, eine solche eierlegende Wollmilchsau zu erfinden. Es sieht derzeit so aus, als könnte Google das schaffen. Und weil man eigentlich nur diesem Konzern die Lösung einer solchen Aufgabe zutraut, sind die Erwartungen hoch. Die Hoffnung ruht also auf Google.

Kommentare (3)

Wave als Colloboration tool für Redaktionen
(Gerd Kamp, 29.05.2009, 09:15 Uhr #)
1. Ich würde mal vermuten dass das Protokoll opensource ist, die Implementierung aber nicht.

2. Ich finde Wave gerade für die Zusammenarbeit im redaktionellen Prozess sehr spannend. Was würdest du davon halten wenn ihr statt von der dpa Texte / Bilder in IPTC7901 oder XML/RSS-Feeds zu erhalten, Zugriff auf Waves erhalten würdet (resp. Snapshots).

@Gerd
(Peter, 29.05.2009, 10:09 Uhr #)
Ja, ein Umstieg auf Waves würde wohl auch im redaktionellen Workflow Sinn machen....

Eher was für den Business-Bereich
(Godwi, 30.05.2009, 14:32 Uhr #)
Ich finde das, was sich mit Google wave ankündigt, sehr spannend. Für mich sieht das nach einer interessanten Kollaborationssoftware aus, deren Wert ich nicht so sehr im Freizeitsektor, sondern weit eher im Business-Bereich verorte. Für Arbeitsgruppen, die sich über gemeinsame Projekte austauschen müssen, ohen sich auf einen Termin einigen zu können, ist das meiner Einschätzung nach ideal - vorausgesetzt, es gelingt, eingefahrene Gewohnheiten zu überwinden.

Auf meinem Blog habe ich noch einiges dazu geschrieben:

http://tonwertkorrekturen.wordpress.com/2009/05/29/wave/

Godwi