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Perlentaucher-Klage: Entscheidung im November

Gestern hatte ich keine Zeit darüber zu bloggen... Der Perlentaucher, das größte deutschsprachige Kulturmagazin im Netz, ist von FAZ und SZ wegen Urheberrechtsverletzung verklagt worden. In Frankfurt fand heute die mündliche Verhandlung statt.

Der Perlentaucher ist bis heute irgendwie Web 1.0 geblieben, doch das Projekt ist nach wie vor sympathisch. Anja Seeliger und Thierry Chervel haben schon früh (online seit März 2000) gezeigt, dass Internet auch Geld verdienen kann, selbst mit dem vermeintlichen Nischenthema (?) Kultur. Bis heute. Zum Beispiel die tägliche Bücherschau ist einzigartig und nur zu empfehlen.

Inzwischen gibt es aus dem Hause Perlentaucher.de auch andere Projekte, so etwa mit Hilfe der Kulturstiftung des Bundes die englischsprachige Kulturseite Signandsight sowie die europäische Medienrundschau BPB-Projekt Eurotopics (beides ebenso sehr lesenswert).

Das Geschäftsmodell des Perlentaucher ist einfach: Thierry und mehr als ein halbes Dutzend Mitarbeiter besteht überwiegend darin, Medien auszuwerten, zu rezensieren und zusammenzufassen.

Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" fanden das offenbar nicht mehr witzig, als sie bemerkt haben, dass es sich dabei auch um ein Geschäftsmodell handelt - das man selbst verschlafen hat. Sie verklagten vor etwa einem Jahr den Perlentaucher, heute fand vor dem Frankfurter Landgericht die mündliche Verhandlung statt. Die Verlage drohen zudem mit Schadenersatzforderungen.

Interessanterweise bezieht sich die Klage nicht etwa auf die Veröffentlichung der Texte auf perlentaucher.de, sondern auf die Verkauf der Texte an buecher.de (im übrigen gibt es auch ein Perlentaucher-Angebot irgendwo versteckt im Onlineauftritt meines Brötchengebers).

Aus dem Perlentaucher habe ich gerade erfahren, dass es bei dem Prozess heute noch keine Entscheidung gab. Ein Urteil wird im November erwartet. Beim Perlentaucher hält man die Vorwürfe für unbegründet.

Ich persönlich halte den Prozess insbesondere deshalb für weitreichend, weil es auch ganz grundästzlich um die Frage von zulässigen Zitierungen im Netz und um die Verbreitung von Kulturgütern geht. Damit geht es ganz grundsätzlich um die Zukunft des Netzes an sich. Es darf ja wohl nicht sein, dass man aus Medien nicht mehr zitieren darf, wo doch das Internet gerade die Verbreitung von Kultur und Wissen erleichern kann.

Ganz abgesehen davon. Eigentlich profitieren die Verlage ja von den Verlinkungen ...

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