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Blog Age - das Blog von Peter Schink

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Vertrauen ist gut, GTrust ist besser

Bislang ist die Medienmeldung undementiert, es scheint es also soweit zu sein: Lange erwartet, startet heute aller Voraussicht nach "GBuy". Damit sind wir der Vision von "Google Epic" wieder ein gutes Stück näher. Zeit für eine Anmerkung.

Neue Google Map
Neue Google Map

Erste Spekulationen über das Google-Bezahlsystem gibt es, seit die Kalifornier für Google Video das Bezahlen per Kreditkarte möglich machten. Nun berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) ausführlich über den neuen Service - der vermutlich "Checkout" heißen wird (siehe Google Watchblog). Beim WSJ herrsche Hofberichterstattermanier, beklagen Journalistenkollegen bereits.

Doch die Nähe von Autorin Mylene Mangalindan offenbart tiefe Einblicke in das, was Google plant. Als ernsthafte Konkurrenz zu PayPal will man "GBuy" etablieren, zugleich soll es ein enges Zusammenspiel zwischen Googles Textanzeigen und GBuy geben - indem die Anzeigen um ein Bezahlsymbol erweitert werden können. Clever, sowas.

1. Google verbreitert Basis

Wirklich clever ist, dass Google damit endgültig in den Konsumentenmarkt einsteigt. Bislang erwirtschaftet Google seinen Umsatz nahezu ausschließlich über Firmen, und generiert einen Großteil seiner Einnahmen über das Anzeigengeschäft. Dieses Geschäft ist reichlich fragil: Bereits das Gerücht, Google-Kunden könnten mit Anzeigen gegen bestehendes Markenrecht verstoßen, hatte in der Vergangenheit für merkliche Unruhe gesorgt.

Google will es deshalb wohl schaffen, tatsächlich zum Makler für Online-Bezahlungen zu werden. Für das Unternehmen macht das Sinn.

2. Google verlässt das Info-Meer

Bislang war das Ziel von Google nach eigener Aussage immer, alle Informationen der Welt zugänglich zu machen. Dazu waren Tools nützlich wie zum Beispiel die Suche, News, Google Desktop, Google Maps, Google Scholar, Google Booksearch, Google Video, Google Base, Froogle, Groups, Pagecreator, Google Calendar, etc. etc.

Schon bei Gmail, GTalk oder Picasa hatte ich so meine Probleme - weil sie irgendwie bedingt in diese Philiosophie passen.

Mit dem Einstieg in den Bezahlmarkt verlässt Google aber eindeutig die Info-Spielwiese. Ist ja auch ok, es geht schließlich ums Geld verdienen. Doch Googles guter Ruf beruht letztlich auch darauf, von den Nutzern nie Geld kassiert zu haben - damit ist jetzt Schluss. Google kassiert Provisionen für Verkäufe und wird zum Makler. Diese Berufssparte war mir persönlich schon immer suspekt (weil überflüssig).

3. Googles Datensammlung

Schon lange sammelt Google viel zu viele Daten. Menschen wie ich haben das bislang akzeptiert, weil Google-Services nun wirklich unschlagbar gut sind - und man zumindest den Eindruck haben konnte, die Datensammlung werde nicht gegen einen verwendet (was natürlich Unsinn ist).

Allerdings hatte Google immer einen schalen Beigeschmack: Das Unternehmen gibt nach wie vor nur sehr vage Auskünfte darüber, wie lange Daten aufbewahrt werden - und was davon ausgewertet wird. Nachdem Google nun auch noch meine Einkäufe aufzeichnet, möchte ich doch gerne ganz genau wissen, was mit meinen Daten passiert.

4. GTrust

Nachdem Google inzwischen große Bereiche unseres Online-Lebens erfasst, erwartete ich eigentlich einen neuen Service: GTrust. Ich möchte in meinem Account künftig genau einstellen können, welche Daten von mir gespeichert werden, für welches Google-Tool sie verwendet werden und für welchen Zeitraum. Außerdem möchte ich die Daten jederzeit löschen können, wie es bereits bei der persönlichen Suche möglich ist. GTrust sollte doch einfach zu realisieren sein, liebes Google-Team.

Kommentare (3)

Datenfalle
(Daniel, 28.06.2006, 09:35 Uhr #)
> Außerdem möchte ich die Daten jederzeit löschen
> können, wie es bereits bei der persönlichen Suche
> möglich ist. GTrust sollte doch einfach zu
> realisieren sein, liebes Google-Team.

Naja, die Zeiten der absoluten und uneingeschränkten Herrschaft über die persönlichen Daten ist denke ich seit Jahren schon endgültig vorbei. ;)


(Christian, 28.06.2006, 11:26 Uhr #)
> Außerdem möchte ich die Daten jederzeit
> löschen können, wie es bereits bei der
> persönlichen Suche möglich ist.

Aus meiner Sicht wäre eine Identity 2.0 ein Schritt in die richtige Richtung. Interessanter Ansatz, aber zur Zeit leider wohl nur eine Vision.


(Peter Schink, 28.06.2006, 15:04 Uhr #)
@christian: Zumindest der Identity-2.0-Vortrag ist genial. Der Mann hat Recht, und in zehn Jahren werden wir sowas auch haben. Jeder wird eine Online-ID haben, und ich hoffe mal schwer, dass diese dann wirklich gegen unbefugten Zugriff (von welcher Seite auch immer) geschützt sein wird.