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Blog Age - das Blog von Peter Schink

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IV. Ein Comet bei Six Apart

Tag 3: Eben hatte ich die Gelegenheit, Mena Trott von Six Apart zu treffen. Ein Interview zum richtigen Zeitpunkt: In den kommenden Wochen soll der neue Blogger-Service "Comet" starten. Für mich eine echte Überraschung war, Mena hat mir viele Details verraten.

Mena Trott (28 Jahre jung)
Mena Trott (28 Jahre jung)

Six Apart hat seine Zentrale in San Francisco, in einem wunderschönen alten Fabrikgebäude, im ersten Stock unter dem Dach - schon am Eingang empfängt einen der intensive Holzgeruch der alten Balken.

Wer ist Six Apart? 2001 von Mena und Ben Trott gegründet, inzwischen die wohl größte Blogtool-Firma weltweit. Das Headquarter ist in San Francisco, zwei weitere große Filialen hat Six Apart in Japan (25 Angestellten) und Frankreich (10 Angestellte). Die drei wichtigsten Produkte: Die Blogger-Software "Movable Type", der Blogger-Service "TypePad" und die vor einem Jahr zugekaufte Community "LiveJournal".

Dank der Tatsache, dass Mena Trott zu spät kam, konnte ich eine Stunde lang mit zwei weiteren Six-Apart-Leuten reden. Kevin Krim kümmert sich um die LiveJournal-Community und Vize-Chef Michael Sippey hat bei der Entwicklung von "Comet" mitgearbeitet.

Über das Projekt konnte ich mich dann auch ausführlich mit Mena unterhalten. Zwar wollte sie noch kein exaktes Datum für den Launch verraten, auf jeden Fall aber soll es schon in den kommenden Wochen soweit sein.

Das rote Gebäude beherrbergt Six Apart
Das rote Gebäude beherrbergt Six Apart

"Comet" ist nur der Projektname, die Software wird letztlich einen anderen Namen tragen. Mena sagt, "Comet" sei "the future of blogging". Wie also sieht die Zukunft aus? Six Apart geht davon aus, dass künftig auch Leute bloggen wollen, die keine Ahnung von der Installation der Software haben und auch keinen Code anfassen wollen - und für die soll "Comet" da sein.

Der Eingang
Der Eingang

Letztlich ist die Software eine Mischung aus Elementen von "Movable Type" und "LiveJournal" - also Blogsoftware und Community in einem. Es soll möglich sein, private Einträge zu veröffentlichen, Freunde einzuladen und Posts per Mail zu verschicken. Zudem können Nutzer Listen anlegen, und so zum Beispiel ihre Lieblingsrestaurants oder Lieblingsfilme sammeln. Ein weiteres zentrales Element sind Photo-Galerien.

Laut Mena will Six Apart für "Comet" auch Anzeigen schalten - vorerst soll der Service aber nur in den USA beworben werden, erst später auch in Asien und Europa. Sehr interessant fand ich auch eine Randbemerkung von Mena: Europa sei ein schwieriger Markt, weil er völlig fragmentiert sei. Wohl wahr.

Eine Frage wurde mir von Mena natürlich auch noch gestellt: Warum gibt es in Deutschland so wenige Blogger? Ja, gute Frage. Ich habe entgegnet, dafür hätten wir immerhin die zweitgrößte Ausgabe von Wikipedia. Aber eine wirklich leicht verständliche Antwort hatte ich auch nicht parat.

Kommentare (5)

Tja, gute Frage!
(mark793, 09.03.2006, 11:26 Uhr #)
Auf die Tausend-Dollar-Frage, warum es hierzulande so wenige Blogger gibt, habe ich auch keine einfache und plakative Antwort parat. Das Fass mit der pauschalen Technikfeindlichkeit will ich jetzt nicht aufmachen, bei Licht besehen enthält es nämlich jede Menge Bullshit. Wenn es nämlich um Fernseher oder Autos geht, kann es dem Käufer gar nicht genug Gadgets und Gimmicks geben. Bei computeraffinen Zeitgenossen ist GHz- und Teraflop-Geprotze ja wohl auch Usus, ich denke also, das Argument mit der Technikfeindlichkeit wird einer näheren Betrachtung nicht standhalten.

Fragen wir uns also mal andersrum: Auf welcher Frequenz müsste die Pawlowsche Klingel denn läuten, um mehr Deutschen Lust aufs Bloggen zu machen?

Krieg ich als Blogger dollere Weiber ins Bett, werd ich reich und berühmt, oder kann ich damit zumindest meinen blöden Nachbarn beeindrucken?

Nein? Wozu soll ich mir dann die Arbeit machen? Das ist die Frage, auf die Sixapart, 20six und wie sie alle heißen hierzulande eine stringente Antwort liefern müssen.

nun
(Peter, 10.03.2006, 08:56 Uhr #)
Ich habe vielleicht etwas parat: Einer meiner Interview-Partner hier meinte, die Amerikaner reden wohl gerne über sich und das was sie tun. Das trifft auf uns Deutsche vielleicht weniger zu. Die meisten von uns reden nicht gern über uns selbst.... oder glauben, nichts zu sagen zu haben.

Nicht unplausibel.
(mark793, 10.03.2006, 11:23 Uhr #)
Wobei ich da zwischen "reden" und "schreiben" nochmal unterscheiden würde. Viel über sich reden können Deutsche auch (mehr als man manchmal hören will). Es hapert eher beim Schreiben, weil viele damit die falsche Vorstellung verbinden, da müsste dann auch unbedingt was bahnbrechendes und richtungsweisendes dastehen.

Interessant...
(Jörg Petermann, 17.03.2006, 12:20 Uhr #)
geschrieben von Dir, wenngleich für mich dabei auch nicht viel neue Information verborgen ist. Der Ruhe bei MT nach zu urteilen, scheint man in der Tat Mann und Maus auf diesen neuen Service angesetzt zu haben.

warum so wenige bloggen
(Anna-Patricia, 09.04.2006, 18:36 Uhr #)
eigentlich ganz einfach: Ich bin gerade mal 20 und bestimmt nicht auf Kriegsfüß mit dem Internet, aber von Blogs hatte ich neulich zum ersten mal was gehört ... im Wissensteil der Zeit ... warscheinlich kennt einfach keiner diese Art der Kommunikation und dann kann auch keiner mitmachen, oder?
Fraglich ist, wie sich das ändern lässt. Für mich hat sich da eine noch ziemlich unüberschaubare Welt eröffnet, die es zu entdecken gilt.