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Blog Age - das Blog von Peter Schink

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Web 2.0 - ein Hype, der keiner ist.

Die Blogosphäre diskutiert über das Web 2.0. Über was? Ja, genau, das habe ich mich auch gefragt. Die Begrifflichkeit alleine stiftet schon Verwirrung. Deshalb ein kleiner Beitrag zum Thema.

Web 2.0
Web 2.0

Nein, in diese Debatte (Don Alphonso, Thomas Knüwer, Robert Basic, Mario Sixtus) will ich nicht einsteigen. Ich schlage einfach mal vor, sich ein Stück weit vom Begriff "Web 2.0" wegzubewegen.

Bislang drehte sich alles um die Frage "Ist Web 2.0 nur ein Hype?". Don Alphonso hat da eine Debatte losgetreten, die in den USA schon seit einigen Wochen geführt wird. Hey, es gibt dort sogar ein eigenes Blog zum Thema. Aber diese Frage geht am Kern völlig vorbei.

Schließlich wird keiner bestreiten, dass sich das Internet verändert hat. Wesentlicher Kern von Web 2.0 ist meiner Ansicht nach, dass inzwischen Editierungen von Internet-Seiten sehr leicht möglich sind, für jeden und oft ohne Programmierkenntnisse. Technisch gesehen haben wir das zu einem großen Teil LAMP-Systemen (PHP und MySQL…) zu verdanken, Ajax macht das Ganze nur noch etwas hübscher.

Daraus haben sich zahlreiche Projekte ergeben, die oft in Community-Building münden. Diese Communities bedeuten zugleich den zweite wesentliche Änderung im Web, die neuenglisch mit dem schönen Begriff Folksonomy umschrieben wird. Die Nutzer, wie alles, strukturieren selbst immer mehr das Internet, machen dessen Inhalte leichter auffindbar.

Es geht im Kern nicht darum, ob mit dieser Entwicklung neue Geschäftsmodelle entstehen können – das ist nur logisch und Beispiele wie Flickr gibt es ja schon reichlich. Bemerkung wie die von Thomas Knüwer, ob Open BC sinnvoll ist, sind da wenig zielführend. Open BC ist nicht der Kern des veränderten Internet. Hinter "Web 2.0" steckt vielmehr eine Idee, eine Philosophie: Die eines für jeden editierbaren Netzes.

Viel treffender als "Web 2.0" ist deshalb der Begriff "Read/Write-Web" von Tim Berners-Lee. Er beschreibt den Kern der Entwicklung. Eine Debatte auf dieser Grundlage halte ich für sehr sinnvoll. Denn: Web 2.0 ist demokratisch und nimmt die Menschen ernst (siehe Paul Graham via Markus Spath).

Kommentare (5)

Web 2.0 demokratisch?
(Falk Lüke, 21.11.2005, 16:08 Uhr #)
Weia! Schöner Wunsch, verdient auch sicherlich einen Preis für den gnadenlosen Optimismus. Aber: Web2.0 macht das Web nur vordergründig einfacher und demokratischer. Stattdessen wird die Technik nicht nur leistungsfähiger, sondern auch komplexer. 10 Zeilen HTML bekommt man im Zweifel schnell zusammengeschustert, 10 Zeilen AJAX sind kaum mehr als ein "Hallo (Pulldownmenü: Welt)". Ist das demokratisch? Oder nicht doch nur eine Verschiebung des Problems weiter in die Hände derjenigen, die auch jetzt schon (halbwegs) wissen, was sie tun?

stimmt nur halb...
(Peter Schink, 21.11.2005, 16:27 Uhr #)
Klar, die Anwendungen werden auch weiterhin in der Regel von denen gemacht, die programmieren können. Aber ein blog oder Wiki kann jeder aufsetzen. ("Ning.com" geht sogar noch weiter.) Aber das editieren im Rahmen vorhandener Websites ist das Entscheidende.

Ein Beispiel: Welches die interessanteste News ist, wird z.B. mit Hilfe von "digg" von den Nutzern entschieden. Den interessantesten Link gibt es bei "del.icio.us". usw. Ich denke, dass ist noch lange nicht das "neue Web", aber ein Anfang auf dem Weg dorthin...

Die Technik wird komplexer
(Dominik, 21.11.2005, 17:45 Uhr #)
Tatsächlich wird die Technik im Untergrund deutlich komplexer. Aber man muss heutzutage prinzipiell kaum noch etwas von der Technik wissen, um sie bedienen zu können. Insofern ähnelt die Entwicklung des Webs sehr der das Automobils - frühe Automobilisten mussten noch wissen, wie man einen Motor ankurbelt und wie das mit dem Zwischengas läuft, heutzutage (also die letzten 60 Jahre oder so..) gibt es die deutlich komplexeren Autos mit Anlasser und Automatikgetriebe und dadurch ist die Hürde, Autofahren zu lernen, deutlich kleiner geworden.

Eine Chance für Service Provider
(ralph, 21.11.2005, 22:54 Uhr #)

@Falk:
Klar, die ganze Sache wird komplizierter.
Also eignet man sich das notwendige Know-How also selber an oder wendet sich vertrauensvoll an einen entsprechenden Service Provider.

Bis dann,
Ralph

Einfach und nicht einfach
(Papakiesel, 22.11.2005, 09:07 Uhr #)
@Falk Lüke:
Du magst schon recht haben, aber die neuen Systeme mit einfacherer Editierbarkeit von Inhalten (Blogs!) sind schon etwas ganz anderes, als jeden Tag in einer HTML-Datei rumzupfriemeln und sie dann per FTP hochzuladen.

AJAX ist doch nur ein Beispiel für _eine_ Technologie, die das ganze einfacher machen kann.

Die große Begeisterung (Hype) für Web 2.0 ist m.E. nach nur bei denjenigen anzutreffen, die unbedingt daran glauben müssen- vor allen Dingen, weil sie damit Geld verdienen möchten. Die anderen ärgern sich über diesen "Hype" (Don Alphonso).

Diejenigen, welche sich sehr viel mit Web 2.0 befassen, sind da wesentlich cooler: Man analysiert, man testet, man nutzt - man schaut, was daraus wird. Ein sehr angenehmer, pragmatischer Ansatz, wie ich finde. Gilt übrigens auch ganz speziell für dieses Blog hier.

Viele Grüße,
Papakiesel