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Der Journalismus wird die Huffington Post überleben

Heute ist die Ausgabe der deutschsprachigen Huffington Post gestartet. In der Branche hat das zu viel Staub geführt. Und zu ein wenig an Erkenntnis über Journalismus und das Internet.

Aufmacher der Huffington Post am Abend
Aufmacher der Huffington Post am Abend

Das Konzept der Huffington Post ist radikal. Zuliefernde Blogger werden nicht bezahlt. Journalismus erscheint als kostenloses Thema. Ein Berufsstand, der nicht mehr bezahlt wird. Die Berichte zum Start fielen entsprechend eindeutig aus (zum Beispiel bei F.A.Z. und Stefan Niggemeier).

Da kommt ein altes Thema hoch (quasi gewürgt), das die Debatte zwischen seit Jahren durchzieht: Das Internet scheint dazu zu führen, dass journalistische Produkte weniger wert werden. Die Argumente, jedes Für und Wider, zieht sich durch die Debatte ums Leistungsschutzrecht, um Bezahlinhalte, um die App-Economy oder die Blogger-vs.-Journalisten-Argumentation.

Huffington Post - grell und radikal

Die Huffington Post wirft grelles Licht auf einen Aspekt der Monetarisierungsfrage: Es gibt Menschen, deren journalistische Leistung schlecht oder nicht bezahlt wird. Weil sie sich darauf einlassen. Weil sie bei der Huffington Post finden, dass die an sie verschenkte Aufmerksamkeit (in Form von Erwähnung und Links) als Bezahlung in Ordnung ist. Die Motivationen dahinter sind unterschiedlich: Junge Schreiber suchen nach Aufmerksamkeit, Boris Becker lebt schon lange von Aufmerksamkeit. René Obermann hat zu viele Texte in der Schublade liegen.

Eines aber ist sicher: „Guter“ Journalismus wird selten gegen Aufmerksamkeit verschenkt. Wer aufwendige Geschichten erzählen kann, fordert in der Regel eine bessere Gegenleistung. Es wird für viele Journalisten und Verlage trotzdem nicht leicht: Der journalistische Markt wird komplexer, schleichende Erosionsprozesse und Abbau von Vielfalt sieht man an allen Ecken.

Kein Wind mehr in den Segeln der Kritiker

Man muss die „HuffPo“ nicht mögen, man darf ihr einen Mangel an Qualitätsjournalismus und ein hohes Maß an Dreistigkeit im Geschäftsmodell attestieren. Aber erfolglos ist sie nicht. Der Erfolg macht sie nicht gut – aber er nimmt all den Kritikern den Wind aus den Segeln, die lieber den Bestand verteidigen statt an der Zukunft des Journalismus zu arbeiten.

Ich würde da einen Blick in die Glaskugel wagen: Bedarf nach gutem Journalismus wird sich in den nächsten Jahren weiter umsortieren. Es wird neue Angebote unterschiedlichster Art geben. Gewinnen werden die, die gute und kreative Ideen haben. Die Huffington Post ist nur eine Spielart. Eine ziemlich radikale allerdings.

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