04.07.2009, 23:11 Uhr
Seit einiger Zeit diskutieren wichtige Menschen über die derzeit stattfindende Veränderung des Internet. Da ist die Rede vom "Real Time Web" und dem "Flow". Worum geht's da eigentlich?
Auslöser dieses Blog Postings war ein Artikel von Steve Rubel, dessen Blog ich bislang las. Nun hat er es eingestellt, mit der Nachricht:It's Official: I am Moving from Blogging to Lifestreaming. Shocking. Den Mann und seine Gedanken gibt's ab heute nur noch über Posterous zu lesen.
Rubel begründet den Schritt damit, er halte bloggen inzwischen für zu langsam. RSS sei zu komplex, Blog-Kommentare zu sehr an die eigene Website gebunden. Und wer Posterous kennt, kann Rubels Schritt auch aus einem anderen Grund nachvollziehen: Dort ist es möglich, schlicht per Mail zu bloggen und auch gleich noch Fotos, Audio, Video anzuhängen. Außerdem schickt der Service die Daten bei Bedarf auch gleich noch an Twitter, Friendfeed, Vimeo, Youtube, Flickr usw. usw. Informationen abzusetzen geht damit schneller und auf mehrere Plattformen - "Lifestream" trifft es da schon ziemlich gut.
Damit geht einer der Vordenker der US-Bloggerszene dem Real Time Web ein Stück entgegen (andere denken übrigens ähnlich #1, #2, #3). Heißt konkret: Wenn mit Diensten wie Twitter und Facebook die Informationen viel schneller als bislang zu uns kommen (eben Real Time), ist das Öffnen einer Blogging-Software tatsächlich etwas Old School und langsam.
Einfach mal per E-Mail zu publizieren, geht schneller. Wesentlich schneller. Im Moment ist noch Twitter der maßgebliche Kern des Real Time Web. Poste ich dort einen Link, haben innerhalb der ersten 10 Minuten in der Regel mindestens 50 meiner Follower draufgeklickt (sagt mir die bit.ly-Statistik). Die Information verbreitet sich also tatsächlich nahezu in Real Time. Posterous könnte dazu führen, dass Äußerungen von mehr als 140 Zeichen Länge am Leben bleiben. Steve Rubel macht es vor.
Doch die Real-Time-Kommunikation ist zugleich die radikale Verschlimmbesserung der Informationsgesellschaft.
Den Beleg liefert kurioserweise mein Nachschlagen zum Thema: Ich muss gerade feststellen, dass der Artikel zum Real Time Web in der englischsprachigen Wikipedia gerade mal drei Wochen alt ist (hier die erste Version vom 15. Juni). Dabei kommt mir die Diskussion inzwischen schon alt vor. Ihr dagegen habt vielleicht noch gar nichts davon gehört.
Diese rasante Informationsgeschwindigkeit hat zwei Kehrseiten: Zum einen kommt ein Großteil der Menschen da gar nicht mehr mit. Die lesen immer noch Zeitung. Zum anderen kann niemand mehr so viele Informationen verarbeiten (so hat zum Beispiel Steve Rubel alleine seit dem 11. Juni mehr als 70 Posts über Posteous abgesetzt).
Das Real Time Web wird uns deshalb zu einem nötigen. Wir werden Informationen mehr als früher verdichten müssen. Selektieren, gewichten, bewerten und verlinken. Denn weniger Information ist manchmal mehr.
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