09.07.2009, 07:15 Uhr
Jetzt ist also Schluss mit lustig bei Google. Nach langen Monaten der Gerüchte hat der Konzern für nächstes Jahr ein eigenes Betriebssystem angekündigt. Chrome OS soll Betriebssysteme anwenderfreundlicher machen, und nebenbei Linux massenkompatibel. Google könnte sich mit dem Vorhaben übernehmen.
Für eine Einschätzung ist es eigentlich noch zu früh. Eben erst hat Google angekündigt, ein eigenes Betriebssystem auf den Markt zu bringen. Oder besser gesagt: Eine eigene webbasierte Oberfläche für Linux. In der Ankündigung heißt es vollmundig, Nutzer sollten sich künftig keine Sorgen mehr machen müssen um Viren. Und auch nicht darum, dass Betriebssysteme mit der Zeit immer langsamer werden.
Das "Chrome OS" soll auf Netbooks genauso laufen wie auf Desktop PCs und eigentlich nicht viel mehr sein als ein Browser. Einfach und schlank, eine einfache Fensterverwaltung auf Linux-Basis. Noch bleiben da viele Fragen: Bleibt es dabei, dass Desktop-Programme darauf nicht laufen? Wird die mangelnde Hardware-Unterstützung besser? Oder will Google eigentlich nur eine Nische besetzen?
Irgendwann Ende des Jahres sind wir schlauer. Dann will Google den Open-Source-Code für Google OS veröffentlichen. Es würde mich nicht wundern, wenn das System irgendetwas mit Good OS zu tun hätte, dem so genannten Google OS. Das nämlich wird schon seit geraumer Zeit in genau die Richtung entwickelt, die Google jetzt vorgibt.
Die Blogs überschlagen sich vor Vorfreude. Tatsächlich wäre ein massenmarkt-taugliches Open-Source-Betriebssystem etwas, was längst überfällig ist. Google weiß darum und nutzt jetzt seine Chance. Für Microsoft ist allein die Ankündigung eine Katastrophe, so kurz vor dem Start von Windows 7.
Googles Betriebssystem wir aber nur unter mehreren Prämissen über die Nische hinaus erfolgreich sein.
Erstens: Alle wesentlichen Funktionen und Arbeitsumgebungen müssen lauffähig sein. Bislang aber kann schon Googles webbasierte Textverarbeitung mit Desktop-Office-Lösungen nicht mithalten. In vielen Bereichen gibt es überhaupt keine webbasierten Angebote, die Desktop-Applikationen ersetzen könnten. Eine rein webbasierte Lösung wird es am Ende wohl nicht reißen. Oder Google proigrammiert zum Start noch eine ganze Reihe fortschrittlicher Webanwendungen wie "Google Wave".
Zweitens: Gängige Hardware muss unterstützt werden. Vor allem Drucker, TV-Karten, Scanner und ähnliches lassen sich unter Linux oft nicht einfach installieren. Ich bin gespannt, wie Google mit diesem Problem umgehen will.
Drittens: Google braucht Verbündete. Nur wenn Hersteller von Netbooks und Notebooks das Betriebssystem vorinstallieren, wird eine größere Anzahl von Menschen mit "Chrome OS" anfangen zu nutzen. Zu groß ist die Hemmschwelle, auf dem eigenen PC oder Mac mal eben ein neues Betriebssystem zu installieren.
Ich warte nun auch gespannt auf die Veröffentlichung des Codes. Im besten Fall erleben wir eine völlig neue Art, Betriebssysteme zu denken. Und damit die Revolution der ganzen Computerbranche.
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