15.04.2008, 18:18 Uhr
Habe mich in den vergangenen Wochen ausführlich mit Twitter beschäftigt. Erst eine Anwendung programmiert, dann einen Vortrag auf der re:publica gehalten und Interviews gegeben. Etwas zurückgelehnt und nachgedacht will ich heute mal ein paar Thesen zum Erfolg von Twitter aufstellen.
1. Twitter ist mehr als SMS
Menschen scheinen die kurzweilige indirekte Kommunikation (Distanzkommunikation) zu lieben. Das wurde spätestens mit dem merkwürdig unverständlichen Erfolg von SMS klar. Twitter erweitert das Konzept: Die Kommunikation bleibt kurzweilig, ist aber schneller und preiswerter. Und bleibt trotzdem einfach.
2. Twitter ist Jederzeit-Kommunikation
Twitter lässt sich per Web, Software, Chat-Client und Handy bedienen. Sowohl die Eingabe wie die Ausgabe der Nachrichten ist sehr flexibel. Auch hier passt sich Twitter den Bedürfnissen der Nutzer an. Ich kann jederzeit damit kommunizieren auf allen möglichen verschiedenen Wegen.
3. Twitter ist Multikommunikation
Einige Menschen kommunizieren gern für die Masse (Massenkommunikation!), andere unterhalten sich lieber mit Freunden und sehr persönlich. Twitter kann beides. Wer viele Follower hat kann Microblogger sein (z.B. Welt Kompakt), wer sich mit Freunden unterhalten will, kann dies ebenso tun, sogar im geschützten Raum (mit der "protected"-Funktion). Medienunternehmen, Firmen und Organisationen können Twitter als Alert- und Newslettertool nutzen (z.B. Nachrichten, Erdbebenwarnungen, Staumeldungen, Fahrplanänderungen). "@"-Kommunikation und "direct messages" auf Twitter geben sogar noch weitere Möglichkeiten. Twitter passt also auf viele Kommunikationsbedürfnisse und ist somit das erste Tool für "Multikommunikation".
4. Twitter reizt zum Mashup
Es gibt inzwischen hunderte Websites, die mit Twitter neue Anwendungen bauen (siehe Twitter Fan Wiki). Gerade die Simplizität des Tools, die wenigen verfügbaren Metadaten zu einem Tweet und zu Nutzern (Zeit, Ort, Kurzbio, Followerstatistik) reizen dazu, mehr aus Twitter zu bauen (z,.B. Twittervision u.ä.). Die Programmierer wiederum verbreiten ihre neue Ideen zu Twitter an Freunde, auf Blogs, etc. - eine großartige Form des viralen Marketings, wenn man so will.
5. Twitter schafft neue Kommunikationsformen
Da Twitter dank Jederzeit-Kommunikation und Multikommunikation viel mehr zulässt als bisherige Kommunikationsmittel, entstehen auch völlig neue Formen. So zum Beispiel lassen sich Menschen per Tweet an Followerund
6. Zu guter Letzt: Twitter ist viral
Da die Nutzung von Twitter erst dann Sinn macht, wenn eine gewisse Anzahl an Freunden diese Form der Kommunikation auch nutzt, werden Twitter-Nutzer zu Mundpropaganda schon fast genötigt. Umso mehr Freunde ein Twitternutzer hat, desto mehr Sinn macht das Tool. Twitter ist somit außerordentlich viral.
Fazit: Twitter könnte unsere Kommunikationsgewohnheiten gehörig zu revolutionieren. Ich würde mal darauf wetten, dass das Konzept den Nerd-Status bald hinter sich lässt. Sobald dann eine gewisse kritische Masse Twitter nutzt, verbreitet sich das Tool von ganz alleine.
Kommentare (6)
Bitte nicht!
(René, 15.04.2008, 19:13 Uhr #)
Erstmal ein "Danke" für diesen tollen Artikel.
Ich stimme dir in allem Punkten ohne wenn und aber ein, hoffe aber, dass Twitter zwar populärer wird, will aber keine Massenvernichtung des Tools durch... große Massen, eben.
Ich fürchte mich jetzt schon vor sich verabredenden Teenies die dann darüber Twittern, wie Janine gestern mit Klara über Dominik gelästert, weil der ja angeblich mit Daniel darüber geredet hat wie Anna mit Niko im Bett war und das dann gar nicht gut fand.
Leider nicht zu verhindern....
ausgezwitschert?
(Johannes Moskaliuk, 15.04.2008, 19:46 Uhr #)
Deine Thesen finde überzeugend und treffend. Du fasst denke ich zentrale Punkte zusammen. Ein zentraler Erfolgsfaktor von Twitter ist aber meiner Meinung nach ein noch relativ begrenzter und von der Interessenlage ziemlich homogener Nutzerkreis. Das führt dazu, das für die meisten Nutzer noch der Nutzen (auf dem Laufenden bleiben, Küchengespräche ... ) die Kosten (ständige Arbeitsunterbrechung) übersteigt. Mit der Massennutzung ändert sich das aber möglicherweise und der Mehrwert gegenüber anderen Kommunikationkanälen wird wegfallen.
Überzeugt bin ich von Twitter als ideales Konferenzwerkzeug und "Mittagsessensverabredungstool", aber ob das reicht, weiß ich noch nicht.
Bitte doch!
(Mario, 15.04.2008, 22:11 Uhr #)
Rene, der Trick ist: Wenn du weder Janin, noch Klara und Diminik oder Niko followst, kann dir vollkommen egal sein, was die so twittern. Dieser Trick funktionierte schon bei Blogs hervorragend :-)
exakt...
(Peter Schink, 16.04.2008, 11:10 Uhr #)
Ja, denke auch, dass jeder selbst herausfinden muss, mit wem er über Twitter kommunizieren will und wessen Informationen er abonniert. Das erfordert erhöhte Medienkompetenz ;)
das Schöne ist...
(kathrins corner, 16.04.2008, 11:38 Uhr #)
... dass man bei Twitter die vielen Zwischentöne eines Users mitbekommen kann. Blogeinträge sind ja doch meist sehr konstruiert und für einen längeren Zeitraum geschrieben. Twitter ist dagegen eher etwas für den Moment. Twitter ist wie Alltag. Das finde ich sehr schön.
passend
(Malte Landwehr, 18.04.2008, 19:57 Uhr #)
Deinen sechs Thesen stimme ich zu aber vom Fazit bin ich immer noch nicht so überzeugt. Noch ist das ganze Konzept sehr geeky. Wenn der Erfolg kommt, dann nur über die Integration in Facebook und vielleicht irgendwann mal StudiVZ (falls die ihre Applikation API gebacken bekommen).
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