08.09.2007, 16:20 Uhr
Weil auf dem Mediacamp mehrere Sessions gleichzeitig laufen, habe ich mich jetzt mit Oliver aufgeteilt. Er bloggt über eine Second-Life-Session, ich bin bei einer Session zu Bürgerjournalismus-Session. Konkret geht es um „Myheimat.de“.
Die Jungs wollen sich mit ihrem Projekt auf „kleine Regionen“ - mit 10.000 bis 50.000 Einwohnern - beschränken: Myheimat.de ist ein Bürgerjournalismuskonzept für Online und Print. Das auch profitabel sein will.
Derzeit gibt es 17 Standorte in Süddeutschland, an denen 15 Mitarbeitern Geschichten von 4500 Bürgerreportern in eigenen Printausgaben veröffentlichen. Immerhin liegt die Gesamtauflage bei 120.000 Explemplaren. Nicht schlecht.
Der von „gogol“-Geschäftsführer Martin Huber mitgebrachte „Neusässer“ warf in der Session aber dann doch einige, beim Thema typische Fragen auf: Wie wird mit PR umgegangen, sind Anzeigen in allen Fällen ordentlich von Inhalten abgegrenzt? Huber sagte, man achte extrem auf Transparenz. Zudem sei in Kleinstädten der Missbrauch gering, weil das Risiko in ländlichen Communities recht hoch sei, vom Nachbarn erkannt zu werden.
Motivation: Mitteilungsbedürfnis und Teilnahme
Was aber motiviert die Leute eigentlich, sich zu beteiligen? Huber dazu: Es gibt keine finanzielle Beteiligung der Nutzer, „Micropayment“ würde das Engagement nur kaputt machen, sagt er. Natürlich aber gebe es Gewinnspiele und ähnliches. Wichtig sei, die Community zu pflegen und extrem offen zu handeln. Entscheidend sei dann letztlich das Mitteilungsbedürfnis – das man bedienen müsse.
„Oft aber ist es sogar so, dass der Einzelne meint, er habe gar nichts so wichtiges zu sagen“, so Huber. Wenn der aber erst mal einen Kommentar oder Schnappschuss abgegeben
Es habe sich auch als extrem wichtig herausgestellt, die Online-Plattform zusammen mit den Nutzern weiterzuentwickeln. Je schneller man die Software entwickle, desto dynamischer werde der Feedback-Prozess mit der Community. „Technologie ist sehr entscheidend für uns“, so Huber.
Vertrieben wird übrigens über Haushaltsverteilungen und an Auslagestellen. Einnahmen generiert Myheimat.de allein über Werbung – offenbar erfolgreich.
Spannend ist auch, dass laut Huber sogar Journalisten von Wochenblättern inzwischen Themen auf Myheimat.de einstellen – weil sie dort Feedback bekommen, manchmal auch noch Fotos zu ihren Geschichten.
Qualität und Ausrichtung
Huber setzt für die Qualität schlicht auf den hauseigenen Verhaltenskodex. Bislang habe es aber zum Beispiel keinerlei Abmahnungen, Einstweilige Verfügungen und ähnliches gegeben. Nur ein einziges Mal habe es Ärger wegen eines Fotos gegeben, bei dem die Rechte nicht geklärt gewesen seien.
Interessant in diesem Zusammenhang: Es gibt auch eine redaktionelle Ausrichtung von Myheimat.de – laut Huber gebe es von Zeit zu Zeit auch kontroverse Themen im Online-Portal. Man scheue sich aber zur Zeit noch, sowas prominent in der Printausgabe zu bringen. „Wir wollen uns nicht als das kontroverse Blatt positionieren“, sagt er.
Am Ende: Veränderung für Lokaljournalismus
Letztlich kam in der Session die alte, aber spannende Frage auf: Sind Bürgerreporter am Ende eine Konkurrenz für Lokaljournalisten? Seine Antwort ist einfach und entspricht dem, was ich schon oft geantwortet habe: Irgendwann könnten Journalisten die Bürger „als Ressource mitnutzen“, wenn es gelinge, Berührungsängste abzubauen. Letztlich sei es dann Aufgabe der Journalisten, auf die Arbeit der Bürger „noch etwas draufzusetzen“.
Das Berufsbild der Lokaljournalisten wird sich also vielleicht in naher oder ferner Zukunft ändern. Die Frage, wie viel Bürgerjournalisten dann verdienen und wie sehr es zum Lohndumping kommt, stellt sich dann noch einmal völlig neu.
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Kommentare (1)
myheimat-Gründer Dr. matthias Möller zu Gast bei Tischthema.tv
(Lucas von Gwinner, 27.09.2007, 14:35 Uhr #)
Hallo,
darf ich darauf hinweisen das wir Dr. Matthias Möller (den Kollegen von Martin Huber) bei Tischthema.tv zu Gast hatten, wo er sehr ausführlich über das Projekt berichtete:
http://www.tischthema.tv/conte.....hthema-02-»burgerjournalismus-und-myheimat«-mit-dr-matthias-moller/
Besten Gruß,
Lucas
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