11.10.2006, 09:38 Uhr
China hat die Zensur der Wikipedia mit Ausnahme der chinesischen Ausgabe aufgehoben. Allerdings scheint das nicht daran zu liegen, dass man im Land der Großen Firewall auf einmal die Zensur mildern will.
Der erste Hinweis kam gestern von Mingli Yuan und Shi Zhao über die Wiki-Mailingliste (und via Mathias und Chat zu mir). Demnach ist in China die Wikipedia erstmals seit langem wieder erreichbar, mit Ausnahme der chinesischen Ausgabe. Erste Hoffnung, dies könne eine Lockerung der Zensur bedeuten, sind aber offenbar falsch.
Auf Nachfrage hat mir ein befreundeter Journalist in Shanghai heute Nacht bestätigt, dass die Wikipedia tatsächlich wieder verfügbar ist. Er sagt allerdings, die Zensur sei offenbar verfeinert worden. Bestimmte Bereiche von Wikipedia seien nach wie vor gesperrt.
Da hat die chinesische Zensurbehörde offenbar "Große Firewall, Version 2.0" eingespielt. Wenn nun einzelne Subsites gesperrt werden können, macht es dies natürlich schwieriger, den Umfang der Zensur im chinesischen Internet zu beurteilen. Aber wenn die chinesische Regierung gedacht hat, das würde nicht auffallen, hat sie sich wohl getäuscht.
Die Frage ist natürlich auch, wie schnell neu angelegte Wikipedia-Seiten zensiert werden. Oder ob einfach Seiten nach Schlüsselwörtern gesperrt werden. Das kann ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel werden.
Kommentare (4)
Zu: China verfeinert Internet-Zensur
(Torsten Kapeller, 06.01.2007, 20:54 Uhr #)
Seit Oktober letzten Jahres gab es ständig wiedersprüchliche Informationen über die Internet-Zensur in China. Erst hieß es die Internet-Zensur der Wikipedia-Seiten sei aufgehoben worden, dann jedoch stellte sich heraus das dies nur teilweise der Wahrheit entsprach. Daraufhin sollte die Zensur erneut gemildert werden, jedoch folgte nur kurze Zeit später das Dementi.
Inwiefern die Internet-Zensur gemildert wurde bleibt somit noch unklar.
Sicher ist jedoch die Tatsache, dass ein Zugriff auf eine zensierte Seite schwerwiegende Folgen haben kann.
"Amnesty international" berichtete über 33 Chinesen, die ins Gefängnis kamen, weil sie online, der Regierung nicht genehme Informationen (zu Tibet, Falun Gong oder Demokratie) heruntergeladen oder ausgetauscht hatten. Mindestens drei der Häftlinge sind dem zufolge im Polizeigewahrsam gestorben, zwei seien zuvor gefoltert worden.
Stolz gab die Regierung bekannt, dass Ende 2002 schon mehr als 54 Millionen Chinesen im Internet surften. Was sie nicht sagte:
30 000 Online-Polizisten überwachen jeden Schritt im Cyberspace, mehr als 500 000 Webseiten sind blockiert (Stand 2003). Da man annehmen muss, das zumindest aufgrund der neuesten Entwicklungen im Bereich der Internet-Zensur, die Zahl der Online-Polizisten um einiges angewachsen ist, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch,das neu angelegte Wikipedia-Seiten relativ schnell überprüft und zensiert werden.
Es sind nicht nur Wikipedia-Seiten, sondern zum Beispiel auch ausländische Seiten über Lu Xun, DEM chinesischen Autor des beginnenden 20.Jahrhunderts, die zensiert wurden.
stimmt...
(Peter Schink, 06.01.2007, 23:49 Uhr #)
Ja, tatsächlich ist der wesentliche Punkt, welche Repressalien viele Dissidenten in China tagtäglich erfahrne müssen. Unsere Medien tun sich sehr schwer darüber zu berichten, wie es scheint...
Wikipedia wieder teilweise entsperrt
(Kim Schiefer, 20.06.2007, 09:18 Uhr #)
Die Wikipedia war eine ganze Weile in China nicht erreichbar, dann teilweise erreichbar, wieder nicht erreichbar. Ab heute sind zumindest alle Artikel, bis auf z.B. den über die VRChina oder z.B. Falungong erreichbar.
Das ändert sich so oft, dass es nicht mal mehr eine Melung in den Medien wert ist.
Wikipedia Zensur
(Schlosszwerg, 04.07.2009, 03:30 Uhr #)
Schlosszwerg wurde nach einer Minute auf dem deutschen Wikipedia gelöscht.
Auf dem englischen ist er als Castle Gnome und auf dem spanischen als Enano del Castillo zu sehen. Schlosszwerg existiert im virtuellen Raum. Warum wurde er in Deutschland als “Fake” zensiert?
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